Mein Weg zur Kunsttherapie ist kein geradliniger Lebenslauf, sondern ein Prozess des Suchens, Wahrnehmens und inneren Reifens. Kunst begleitet mich dabei nicht als Technik, sondern als lebendiger Ausdruck dessen, was im Menschen nach Gestaltung, Entwicklung und Sinn strebt.
Frühe Erfahrungen in Nicaragua, unter anderem in der Arbeit mit sozialen und kulturellen Projekten wie Funarte und Los Pipitos, haben mir gezeigt, dass künstlerisches Tun dort besonders wirksam wird, wo Sprache an ihre Grenzen kommt. In Gemeinschaften, in denen Menschen wenig Raum für Ausdruck haben, wird das Gestalten zu einer Form des Gehört-Werdens. Diese Erfahrungen legten einen inneren Keim: Kunst kann Beziehung stiften und Entwicklungsräume öffnen.
Gleichzeitig wuchs in mir die Frage nach dem Wie. Nicht das Ergebnis stand im Mittelpunkt, sondern der Prozess: die Wahl der Farbe, die Bewegung der Hand, das Entstehen von Form aus dem Tun heraus. Ich begann zu ahnen, dass künstlerische Prozesse einer inneren Gesetzmäßigkeit folgen, die verstanden und achtsam begleitet werden will.
In der Begegnung mit der Waldorfpädagogik und der Anthroposophie in Südamerika fand ich erstmals eine Sprache für dieses Empfinden. Der Mensch wird hier nicht reduziert, sondern in seiner leiblichen, seelischen und geistigen Dimension ernst genommen. Kunst erscheint nicht als Zusatz, sondern als elementarer Entwicklungsraum.
Diese Haltung führte mich nach Deutschland, zunächst in die Heilpädagogische Gemeinschaft Kirchhain, später in das Studium der Kunsttherapie in Bonn. Theorie, Selbsterfahrung und Praxis verdichteten sich zu einer Haltung des Begleitens: nicht lenkend, sondern wahrnehmend; nicht interpretierend, sondern dialogisch.
Besonders die Arbeit mit Kindern – auch in integrativen und intensivpädagogischen Kontexten – hat mir gezeigt, wie wesentlich rhythmische Strukturen, Wiederholung, freies Spiel und künstlerisches Gestalten für gesunde Entwicklungsprozesse sind. Kunsttherapie bedeutet für mich, Räume zu schaffen, in denen das Kind sich selbst begegnen darf.
Heute fließen diese Erfahrungen in meine Workshops und Projekte ein. Ich arbeite prozessorientiert, mit offenen Materialien, Elementen der Ruhe, der Imagination und der sinnlichen Wahrnehmung. Gestaltung darf entstehen, ohne Zielvorgabe, getragen von Beziehung und Präsenz.
Dieser Blog ist eine Einladung, Einblicke in diesen Weg zu teilen: Gedanken aus der Praxis, Reflexionen aus dem Alltag eines Kunsttherapeuten und Menschen, sowie Fragen, die offen bleiben dürfen. Denn Entwicklung geschieht dort, wo Raum ist – und Kunst kann ein solcher Raum sein.


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